Forscher behauptet, dass Wikinger die Schildmauer im Kampf NICHT einsetzten

Laut Rolf Warming, Archäologe und Forscher an der Universität Kopenhagen, verwendeten die Wikinger im Kampf keine Schildmauern. Ein typischer Wikingerschild war relativ klein und leicht und wurde als aktive Waffe eingesetzt.

„Es gibt ein weit verbreitetes Missverständnis unter Wikinger-Enthusiasten und uns Archäologen, dass die Wikinger im Kampf Schild an Schild in einer engen Formation gestanden haben“, sagte Warming dem dänischen Forschungsportal videnskap.dk.

Seine Forschungsergebnisse werden durch archäologische Funde, schriftliche Texte und bekannte Wikinger-Kampftechniken gestützt, die auf Überraschung, Schnelligkeit und Waffenfähigkeiten basierten.

Warming, der auch Gründer der Society for Combat Archaeology ist, hat untersucht, wie die Wikinger im Kampf kämpften. Er findet keine Beweise für die Verwendung von Schildmauern in mittelalterlichen Texten oder durch praktische Tests.

„Die Schildmauer, die wir in den beliebten Fernsehserien ‚Vikings‘ oder ‚The Last Kingdom‘ sehen, ist sehr schön gemacht, aber leider nicht wahr.“

Seine Theorie basiert unter anderem auf einem archäologischen Experiment, bei dem Warming, ausgestattet mit Rüstung, Helm und Kopien alter Wikingerschilde, verschiedene Kampfsituationen gegen einen mit einem scharfen Schwert bewaffneten Gegner testete.

Der Schild wurde stark beschädigt, als er auf die gleiche Weise wie in einer Schildmauer verwendet wurde, aber als Warming ihn aktiv einsetzte, um direkte Treffer seines Gegners zu vermeiden, war der Schaden erheblich geringer.

Der Archäologe glaubt, dass die Verwendung von Schildmauern weitaus mehr Nachteile als Vorteile gehabt haben muss und dass die dünnen und relativ leichten Wikingerschilde nicht sehr lange gehalten hätten.

Zusätzlich zu den praktischen Tests hat der Forscher auch eine Reihe historischer Quellen aus der Wikingerzeit und dem Mittelalter überprüft.

Er fand keine Beschreibungen von Wikinger-Schildmauern.

Warming kommt zu dem Schluss, dass die Wikinger den Feind wahrscheinlich aktiv mit ihren Schilden bekämpften, entweder um nicht von Schwertern oder Äxten getroffen zu werden, oder um den Feind mit der Kante zu treffen.

 

Im Jahr 2010 wurde in der Wikingerringburg Trelleborg ein fast vollständiger Handschild ausgegraben, der auf die Regierungszeit von Harald Blauzahn von Dänemark (ca. 958 – 986 n. Chr.) datiert wird. Bisher ist dies der einzige vollständige Schild, der in Dänemark aus der Wikingerzeit gefunden wurde.

 Fragmente des Trelleborg-Schildes zusammengesetzt. (Foto: Nationalmuseum von Dänemark)

Mit einem Durchmesser von 85 Zentimetern, acht Millimetern Dicke in der Mitte und fünf Millimetern an den Rändern war der Trelleborg-Schild relativ leicht.

Er besteht aus sieben Tannenholzbrettern, hat ein Loch in der Mitte und einen mäßig verzierten Griff. Ursprünglich muss es einen Schildbuckel gegeben haben, der aber nie gefunden wurde.

Wenn der Trelleborg-Schild typisch für die Wikingerzeit war, war er ursprünglich mit Tierhaut überzogen, um ihn stärker zu machen, und er war wahrscheinlich in leuchtenden Farben bemalt.

Neben dem Fund in Trelleborg wurden auch vollständige Schilde im Grabhügel des Gokstad-Schiffes in Norwegen gefunden. Das Wikingerschiff wurde zusammen mit einer großen Anzahl von Grabbeigaben ausgegraben, darunter vierundsechzig runde Schilde, die blau oder gelb bemalt waren und als sogenanntes Schildgestell dienten, um die Besatzung vor ankommenden Pfeilen und Speeren zu schützen.

 

Zwei der vierundsechzig Schilde vom Gokstad-Schiff, zweiunddreißig auf jeder Seite. Jeder zweite war gelb oder schwarz bemalt und das Langschiff muss ein prächtiger Anblick gewesen sein. (Foto: Museum für Kulturgeschichte, Oslo)

Die Gokstad-Schilde sind wie der in Trelleborg gefundene Schild – relativ dünn – und Untersuchungen haben gezeigt, dass sie bei Treffern mit Pfeilen, Schwertern und Äxten leicht zerbrechen würden.

Dies untermauert die Theorie, dass sie ursprünglich mit Tierhaut überzogen waren: Die Haut schrumpft beim Trocknen etwas, was die Festigkeit erhöht.

Durch die Verwendung von Tierhaut war es auch möglich, relativ dünne Holzstücke zu verwenden und so das Gewicht so gering wie möglich zu halten.

Die Schilde waren jedoch nicht stark genug (oder groß genug), um in einer Schildmauer mehreren Treffern von Schwertern und Äxten standzuhalten – was Warmings Theorie bestätigt.

Kampftechniken

Es ist bekannt, dass die Wikinger eine Vielzahl von Kampftechniken anwandten. Eine davon ist die sogenannte Svinfylking („Schweinephalanx“ oder „Keilerkopf“), eine Version der Keilformation, die verwendet wurde, um feindliche Schildmauern mit einer Axt als Hauptwaffe anzugreifen und zu durchbrechen, was Angst und Panik hervorrief.

 

Svinfylking – Skizze

Der Nachteil der Svinfylking-Technik ist, dass sie nicht funktionieren würde, wenn die Angreifer einen schnellen Rückzug antreten müssten.

Die nordischen Sagen bestätigen auch die Mentalität der Wikinger: Nordmänner waren furchtlose Krieger, die sich nicht hinter Schildmauern versteckten, während sie auf den Angriff des Feindes warteten.

Und doch bleibt trotz all dieser Forschung die Tatsache bestehen, dass Schilde viel besser Pfeile abwehren als den Feind treffen. Dafür ist die Axt da...

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